stracke aus uslar

Mehr als nur Belag: Eine Liebeserklärung an die Wurstkultur in Uslar und im Solling

Wenn man durch die dichten Buchenwälder des Solling wandert, die frische, kühle Luft einatmet und den Blick über die sanften Hügel schweifen lässt, meldet sich irgendwann unweigerlich der Hunger. Aber hier verlangt der Magen nicht nach Fast Food oder Chichi. Hier im südlichen Niedersachsen, rund um das historische Fachwerkstädtchen Uslar, verlangt der Körper nach etwas Ehrlichem, Deftigem.

Willkommen im Reich der  Sollinger Wurstkultur 

Wer glaubt, Wurst sei gleich Wurst, hat noch nie in eine echte, luftgetrocknete Stracke aus dem Solling gebissen. In diesem Artikel nehmen wir euch mit auf eine geschmackliche Reise durch eine Region, in der das Fleischerhandwerk noch Golden Boden – und vor allem Geschmack – hat.

Warum die Wurst hier anders schmeckt?

Uslar und die umliegenden Dörfer im Solling blicken auf eine lange Tradition der **Hausschlachtung** zurück. Früher hatte fast jeder Hof seine Schweine, und das Wissen um die richtige Würzung und Reifung wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Zwei Faktoren machen die Wurst hier besonders:

1. Die Zeit:

Echte Sollinger Wurst wird nicht im Zeitraffer produziert. Besonders die Dauerwürste (Mettwürste) bekommen Zeit, in speziellen Lehm- oder Reifekammern zu atmen, Feuchtigkeit zu verlieren und ihren intensiven Geschmack zu entwickeln.stracke aus uslar

2. Die Zutaten:

  • Neben klassischem Schweinefleisch spielt hier das **Wild** eine riesige Rolle. Der Solling ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. Hirsch und Wildschwein landen hier nicht nur als Braten auf dem Tisch, sondern veredeln auch die Wurstwaren.Die Stars der Theke: Was man probieren muss

Wenn ihr in Uslar beim Metzger steht (und zum Glück gibt es hier noch echte Handwerksbetriebe!), solltet ihr nach diesen Spezialitäten Ausschau halten:

 1. Die „Stracke“ (Luftgetrocknete Mettwurst)

Sie ist die Königin der Region. Eine gerade (daher der Name „Stracke“), feste Mettwurst im Naturdarm.

Der Geschmack:Mürbe, fest im Biss und oft mit einer leichten Knoblauchnote oder einem Schuss Rum verfeinert.

Die Farbe: Ein tiefes, dunkles Rot.

Der Clou:Sie wird oft „warm verarbeitet“ – das Fleisch wird also direkt nach der Schlachtung gewolft und gewürzt, was für eine unvergleichliche Bindung und Zartheit sorgt.

 2. Die Sollinger Wildwurst

Ob als Salami, Leberwurst oder Knacker: Wildwurst aus dem Solling ist ein Muss. Da die Tiere in freier Wildbahn leben und sich von Kräutern und Bucheckern ernähren, hat das Fleisch ein besonders nussiges, aromatisches Aroma.

Tipp:  Eine Wildschwein-Salami mit Preiselbeeren oder Walnüssen ist das perfekte Mitbringsel für Feinschmecker.

 3. Bregenwurst (Saisonal)

Wenn im Winter der Grünkohl (hier oft „Braunkohl“ genannt) auf den Tisch kommt, darf die Bregenwurst nicht fehlen. Anders als die luftgetrocknete Mettwurst wird diese leicht geräucherte Rohwurst im Kohl mitgegart und gibt ihren würzigen Fettanteil an das Gemüse ab.

Das Solling-Vesper: Wie man es richtig macht

Wurstkultur in Uslar ist mehr als nur Essen – es ist ein Ritual. Man isst die gute Wurst nicht hastig im Stehen. Man zelebriert das Vesper (oder Abendbrot)

So baut ihr das perfekte Sollinger Brettl:

Das Brot: Ein kräftiges Roggenmischbrot mit dicker Kruste. Kein Toast, keine weichen Brötchen.

Das Werkzeug: Ein scharfes Taschenmesser (Taschenfeitel). In der Region ist es fast ein Sport, die Wurstscheiben direkt in der Hand und nicht auf dem Brett zu schneiden (Vorsicht für Anfänger!).

Die Beilage: Saure Gurken (Gewürzgurken) und vielleicht ein bisschen Senf, obwohl Puristen sagen: „Gute Wurst braucht keinen Senf.“

Das Getränk: Ein kühles Pils aus einer der regionalen Brauereien passt hervorragend zur Salzigkeit der Wurst.

Fazit: Ein Stück Heimat zum Anbeißen

 

In einer Zeit, in der Lebensmittel oft anonym und industriell hergestellt werden, ist ein Besuch in den Fleischereien von Uslar und dem Solling eine wohltuende Zeitreise. Man schmeckt die Handarbeit, man schmeckt die Qualität der Rohstoffe und man schmeckt die Geduld.

Wer den Solling besucht, sollte nicht nur die Wanderschuhe, sondern auch eine Kühltasche einpacken. Denn eines ist sicher: Wenn ihr erst einmal auf den Geschmack gekommen seid, werdet ihr ohne einen Vorrat an „Stracke“ nicht nach Hause fahren wollen.

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